früher begann der tag mit einer schußwunde
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passado o passado

ich hab gestöbert und alte dinge wieder entdeckt. anna hat mich damit angestubst also stammt das hier eigentlich von ihr.

es ist uralt. soviel sei gesagt. ich korrigiere jetzt nichts nach.

 


EMMA


„Wie fühlst du dich? Was hast du die letzte Zeit gemacht?“

„Keine Lust zu erzählen.“

„Ok.“

Sie wunderte sich nicht darüber. Das er sie so seltsam vor den Kopf stieß. Das war nicht das erste Mal. Sie nahm es hin. Ohne Widerworte. Nickte einmal im Geiste und lies ihn dann in Frieden.

Mulmig zog Emma sich ihre Jacke an und erhob sich vom unbequemen Stuhl des Internetcafés.

Geld hatte sie noch übrig. Sogar noch für 2 Stunden. Aber das was sie jetzt am wenigsten wollte, war weiter vor dieser grauen Kiste mit der abgewetzten Tastatur zu hocken.

Nur um auf ein paar freundliche Worte von ihm zu hoffen.

Anrufen wäre viel schöner gewesen. Seine Stimme hören. Die kleinen Späßchen.. Die Idee.. Da ist jemand.. Der mit einem sein will. Aber nein. Telefonieren mochte er nicht. Und um ihn nicht völlig im nichts zu verlieren ging Emma jeden Abend einmal in das Internet Café unter ihrer Wohnung. Müde wickelte sie sich in ihren Schal.

Müde. Das war das einzige Wort das man braucht um sie zu beschreiben.

Sie war es müde sie selbst zu sein. So mittelmäßig. So... genügend.

Irgendwann hatte sie ihn schon mal gesehen. Ganz früher. Hatte sich mit einer Freundin gegen ihn und seine Freunde verschworen. Gegen all die Machos.. Die kaltblütig über alles und jeden urteilten und selber ganz oben mitspielten. In der obersten Liga. Der Schönen.

Irgendwann.. Durch irgendwen... in der grauen Suppe von Menschen die Emma tagein tagaus umgab kam sie ihm näher. Auf einer Party? Ja so muss es wohl gewesen sein.

Er war betrunken. Und sie war es auch. Und sie saßen nebeneinander. Er machte seine Witze und unterhielt die ganze runde. Und irgendwie... war da etwas.. Emma hätte es nicht bemerkt, hätte er nicht für einen unscheinbaren Augenblick, ein Räuspern, ein Schlucken, die Hand auf ihr Knie gelegt. Niemand hatte es gesehen. Wie denn auch. In dem kleinen verrauchten Partykeller. Nur Emma. Sie hatte es gemerkt. Oh ja.

Wie ein Blitz war das gewesen. Aber ein langsamer. Der sich brennend erst durch ihr Bein, dann durch ihren Körper fraß. Plötzlich war Emma hellwach. Sie traute sich nicht zu bewegen, nicht einmal zu atmen. Sie gestattetet sich nur ihre Augen wandern zu lassen, ganz vorsichtig... ohne den Kopf zu senken. Seine Hand lag da. Einfach so. Nicht grob, oder fordern oder gemein. Sondern einfach so. Ganz leicht. Beinahe ohne Gewicht. Geradezu.. Ängstlich.

Der Abend verlief ohne weitere Vorkommnisse. Er nahm weiter keine Notiz von ihr. Emma jedoch fühlte sich, als trüge sie seinen Handabdruck wie ein leuchtendes Mal durch die Nacht.

Irgendwann verlagerte sich die Party nach draußen auf den kleinen Hof.

Die Leute verteilten sich in die Nacht und irgendwann, als Emma aufschaute stand sie allein auf dem dunklen hof. Sie sah sich müde um und entdeckte ihn an der Hauswand lehnen.

Er drückte seine Zigarette im feuchten Gras aus. Emma versteckte ihre kalten Hände in ihrer Jackentasche. Er kam wie selbstverständlich auf sie zu und sah sie an. Sein Blick war nicht zu deuten, aber als er sich langsam auf den Weg machte, folgte Emma ihm ohne zu wissen warum. Sie fühlte nur das es richtig war.

Sie gingen den ganzen Weg bis zu dem Haus seiner Eltern am Ende der Stadt. Sie folgte ihm ohne zu denken. Die Schritte auf Laub und Asphalt waren Musik, die die beiden durch die Nacht begleitete. Emma ging hinter ihm die Stufen zur Haustür hinauf. Von drinnen schien kein Licht durch die Fenster. Er führte sie die Treppe hinauf, dann ans Ende eines Flures. Emma blieb stehen und wartete an der Tür, bis er ans Ende des Zimmer gegangen war und die kleine orangen farbige Nachttischlampe einschaltete.

Das einrasten der Tür, weil es mittlerweile zu regen begonnen hatte. So langsam realisierte Emma einzelne Dinge um sich herum. Ein großes weißes Bett vor der einen Wand des Zimmers.. Schreibtisch und Regal an der anderen. Ein großer Teppich, ebenfalls weiß, auf hellem Holzfußboden. Und mitten in diesem Kokon stand er ihr gegenüber.

Emma glaubte fest daran ihre Stimme verloren zu haben.. Und sie dachte nicht daran zu versuchen sie zurückzugewinnen. Denn jetzt begann er langsam ihr die Jacke auszuziehen.

Vorsichtig legte er sie über einen Stuhl. Dann bückte er sich und knotete die Schuhbänder ihrer Stiefel auf. Als sie aus selbigen schlüpfte berührte sie seine Schulter um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre Finger waren taub.. Sie nahm nur dunkel den Stoff seines Pullovers wahr.

Danach zog er ihr langsam und voller Sorgfalt die Jeans aus und streifte ihr den Pulli über den Kopf. Irgendwann stand sie nur noch im Slip vor ihm. Er wand sich um und nahm ein Tshirt aus seinem Kleiderschrank. Als er ihr dieses anzog hörte sie wie aus weiter ferne eine Stimme nach ihr rufen. Aber sie war wie in Trance und verstand die Worte nicht.

Schließlich warf er die decke zurück bot ihr eine Seite des großen Bettes an.

Emma kroch darunter und sah ihm weiter gebannt zu, wie er sich auch dem grossteil seiner Kleidung entledigte. So langen sie nun da. Die gesichter wenige Zentimeter voneinander entfernt. Unter ihrer decke fühlte Emma die wärme die von ihm ausging.

Und als würde sie der gesamte Abend noch mal überrollen wurde sie plötzlich schrecklich schläfrig. Sie schmiegte sich mit ihrem rücken an seine Brust, griff nach seiner Hand und hielt sie fest mit ihrer unter der Wange. So schliefen sie ein.

Am nächsten morgen war Emma früh aufgewacht. Die Sonne war schon fast aufgegangen.

Lautlos schlüpfte sie aus seinem Bett und zog sich an. Dann ging sie zu seinem Schreibtisch und griff nach einem Notizzettel und Stift.

Auf den Zettel schrieb sie:


Was lässt sich über die Sehnsucht sagen, als dass das Herz ein endloser Fluss aus Sternen ist?


Dann verließ sie hastig das Haus und machte sich auf den Weg.


 

 

17.6.10 21:21
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Noelle / Website (27.7.10 19:39)
Wunderwunderschön !! Ich liebe es. ♥

Ist der Spruch von dir? (:

Liebe Grüße. Noelle <3

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